Archiv der Kategorie 'Militarismus'

fremdgelesen- „Soldat auf Probe“

Über ein „ Jugend-Camp der Bundeswehr in Brannenburg“ berichtet heute(Do 13.08) die Süddeutsche Zeitung. Die Bundeswehr scheint dabei aber oft nicht ihr wahres Gesicht zu zeigen wie zwischen den Zeilen gelesen werden kann: „“Heute geht“s rauf auf den Berg“, sagt Eisheuer und warnt, dass der Aufstieg anstrengend wird. Er spricht zwar mit kräftiger, durchdringender Stimme. Der typische Bundeswehr-Drill kommt jedoch nicht durch. Wenn er keine Tarnkleidung trüge, könnte der Stabsfeldwebel als Sportlehrer durchgehen.“ und auch mit den töten von Menschen und Auslandseinsätzen werden die Jugendlichen scheinbar nicht konfrontiert „ Eine Theoriestunde, in der die Jugendlichen mit Soldaten über Auslandseinsätze beispielsweise in Afghanistan sprechen, steht während der drei Tage aber nicht auf dem Programm. Eisheuer glaubt jedoch, dass die
Die Charaktere welche an solch einem Camp teilnehmen scheinen ganz unterschiedlich zu sein. Der von der SZ beschrieben Christoph, wirkt dabei wie der ein klischeehafter ungebildeter Macho-Proll:“Ein richtiger Soldat brauche schließlich Energie und nicht ein paar wässrige Vitamine. Und was, wenn er bei einem Auslandseinsatz ums Leben kommt? „Pech gehabt“, sagt Christian. Für sein Vaterland würde er auch sterben, oder auch, um das Leben eines Kameraden zu schützen, tönt er. Der leidenden Tamara, die immer wieder anhalten muss, um zu verschnaufen, hilft Christian aber nicht.“
Bei Tamara hingegen wird deutlich wie die Bundeswehr bewusst die Notlage junger Menschen versucht auszunutzen. „Die 18-Jährige ist gelernte Pflegehelferin, nach der Ausbildung bekam sie keinen Job. Weil sie sich vorstellen konnte, Sanitäterin zu werden, hat sie sich für das Bundeswehr-Camp angemeldet.“
Der Artikel „Soldat auf Probe“ ist im Internet kostenlos abrufbar. Er Endet übrigens mit den Worten „Nach den ersten drei Jahren könnte Christian bereits im Ausland eingesetzt werden. Da gelten andere Regeln als auf dem Wendelstein.“. Wie wahr.

Spielplatz Krieg

Am Tag der offenen Tür der Karfreit Kaserne in Brannenburg gab es, neben vielen anderen „Attraktionen“ für Groß und Klein, unter anderem auch die Möglichkeit für Kinder Minen zu suchen und mal eine richtige Waffe in der Hand zu halten.
Kinder beim Minensuchen in der Karfreitkaserne
Fern jeglichen Bewusstseins der weltweit verbreiteten „Beziehung“ zwischen Kindern und Minen, sowie Waffen, soll hier die Bundeswehr scheinbar schon bei den Kindern als attraktiv dargestellt werden – ein großes lustiges Spiel fernab jeglicher kriegerischer und tödlicher Folgen und Absichten.
Unabhängig von der Bewertung des Versuchs der positiven Darstellung der Bundeswehr als „normaler“ Arbeitgeber, Spaß- und Freizeitfaktor und „Verteidigungsarmee“ ist das Spiel von Kindern mit Minen und Waffen nicht nur geschmacklos, sondern schlicht widerwärtig. Weltweit befinden sich mehr als 250.000 Kinder als Soldaten im Kriegseinsatz und sind gut zu einem Drittel Opfer von Minen in (ehemaligen) Kriegsgebieten.
Kinder mit Waffen in der Karfreitkaserne

Kinder als bevorzugte Opfer von Landminen
„Nach Angaben der Vereinten Nationen sind über 60 Millionen Landminen in mehr als 70 Ländern dieser Welt verlegt“ (1); von Minen und Blindgängern werden jährlich mehr als 20.000 Menschen verletzt (als ein Beispiel für registrierte tote und verletzte Minenopfer kann das Jahr 2001-2002 betrachtet werden: www.landmine.de/fix/minenopfer.htm). Diese haben gerade bei Kindern verherrende Auswirkungen, die bis zu einem Drittel zu den Opfern von Minen zählen. Da gerade Antipersonenminen darauf ausgerichtet sind Erwachsenen schwere Verletzungen an Extremitäten zuzufügen, bedeutet dies für Kinder oftmals den Tod. Da sie mit ihrer geringeren Körpergröße der Explosion der Mine deutlich näher sind, überleben sie diese seltener; auch führt eine Mine die dazu dienen soll einem Erwachsenen ein Bein wegzureißen bei Kindern leicht zu tödlichen Verletzungen lebenswichtiger innerer Organe. Überleben sie einen Minenunfall ergeben sich weitere spezifische Probleme, da z.B. der Prothesenbau besonders aufwendig ist, aufgrund des schnellen Wachstums der Kinder, weswegen sie alle 6-9 Monate eine neue Prothese brauchen.

„Das Ding sah aus, wie der Plastikdeckel einer Thermoskanne. Es lag am Straßenrand unweit eines Dorfes im Norden Somalias. Auch der von kindlicher Neugier erfüllte Griff nach dem interessanten Objekt war nichts besonderes. Doch dann der grelle Blitz, der ohrenbetäubende Knall, der sonderbare Geruch. – Erst im Krankenhaus von Hargiesa kam der sechsjährige Junge wieder zu sich. Die Explosion der Mine hatte er überlebt – auf beiden Augen erblindet, das Gesicht entstellt, die rechte Hand amputiert und beide Knie durch Schrapnell derart zerstört, daß er seitdem nicht mehr gehen kann“ (2)
Schmetterlingsmine

Ein Problem der Minen ist ihr Aussehen. Für Kinder wirken sie erstmal wie Spielzeug: klein, interessant und bunt, in einer verwirrenden Vielfalt an Farben und Formen, u.a. Jo-Jos oder einer Ananas ähnlich. „Gerade in den Ländern, die gerade einen Krieg hinter sich haben, sind viele Kinder auch nicht zur Schule gegangen. Daher wissen sie nichts von der Gefahr, die auf sie im Boden lauert. Auf die Suche nach Feuerholz, beim Wasser holen oder Vieh hüten geraten sie leicht in vermintes Gelände.“ (3)

Kinder als Soldaten
Weltweit werden etwa 250.000 bis 300.000 Kinder als Soldaten eingesetzt. Aufgrund mangelnder Perspektiven oder durch Zwang werden sie in verschiedenen Ländern zum Kämpfen missbraucht. Historisch betrachtet wurden Kinder bereits im Dreißigjährigen Krieg, in den napoleonischen Kriegen, im amerikanischen Sezessionskrieg, sowie im zweiten Weltkrieg als Luftwaffenhelfer, bei der Wafffen-SS und im Volkssturm eingesetzt. Heutzutage sind Kindersoldaten u.a. in Ländern wie Kolumbien, Burma, Angola, Indien, Afghanistan und Indonesien zu finden (4). Dabei geht es nicht um Belange von Kindern und deren Interessen und Bedürfnissen, anstelle dessen werden die geschlagen, misshandelt und müssen beispielsweise ihre Freunde und andere Kinder töten mit dem Ziel der „Einschüchterung, Erzwingung absoluten Gehorsams und Abstumpfung gegen Grausamkeit.“ (ebd.)
Kindersoldat(5)

Natürlich kann argumentiert werden, dass Kinder nun mal gerne mit Waffen spielen und diese eine gewisse Attraktivität ausüben. Trotzdem bleibt zu hinterfragen, ob dies unterstützt werden muss oder beispielsweise nicht vielmehr Mitbestimmungsfähigkeit und demokratische Teilhabe im Fokus stehen sollten.
Vor diesem Hintergrund kann das Spiel von Kindern mit echten Waffen und das spielerische Suchen von Minen in der brannenburger Kaserne weder als gelungene Unterhaltung der Anwesenden betrachtet werden, noch zeigt sich ein reflektierter Umgang des Militärs mit dessen Materialien, Alltag und ureigenstem Milieu: dem Krieg und damit dem gezielten Töten und Verletzen von Menschen.

Fußnoten:
(1) www.tdh.de/content/themen/weitere/landminen/daten_fakten.htm
(2) www.uni-muenster.de/PeaCon/wuf/wf-98/9820206m.htm
(3) www.helles-koepfchen.de/artikel/749.html
(4) vgl. www.tdh.de/content/themen/weitere/kindersoldaten/daten_und_fakten.htm
(5) images.zeit.de/bilder/2007/45/international/kindersoldat/kindersoldat-artikel.jpg

Gebirgsjäger wegen Kriegsverbrechen verurteilt.

Lebenslang wegen des Mordes in zehn Fällen“, so urteilte das Landgericht München über Josef Scheungraber, ehemaliger Kompaniechef eines Gebirgspionier-Bataillons. Der heute 90-Jährige aus Ottobrunn bei München hatte im Juni 1944 den Befehl zum Töten von 14 italienischen Zivilisten gegeben.
„Bei seinem Vorgehen kam es dem Angeklagten darauf an, seinen Hass wegen des Todes seiner Soldaten abzureagieren und sich zu rächen.“ so Richter Manfred Götzl. 2006 wurde der Kriegsverbrecher wegen des Massakers bereits von einem italienischen Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.
Während des Prozesses wurde bekannt, dass sich als Zeugen geladene ehemalige Gebirgsjäger am 4.12.2006 in einem Gasthaus in Rohrdorf bei Rosenheim verabredeten. Der verurteilte Kriegsverbrecher ist Mitglied des umstrittenen Kameradenkreis der Gebirgstruppe, welcher sich dieses Jahr mit einem Infostand bei dem Tag der offenen Türe in der Brannenburger Karfreit-Kaserne präsentieren konnte. Die infogruppe rosenheim kritisiert,(unter bezugnahme auf unseren blog – Danke für die Blumen) dass sich eine solch zweifelhafte Organisation, welche der AK Angreifbare Traditionspflege als „Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher“ bezeichnet, von der Bundeswehr eingeladen oder zumindest toleriert wird. In der Pressemitteilung heißt es: „Auch hier wird deutlich, dass die Bundeswehr selbst eine Kontinuität zur Wehrmacht aufbaut, obwohl dieser mehr und mehr Kriegsverbrechen nachgewiesen werden“. Darüber hinaus wird eine offensive Auseinandersetzung mit der Geschichte gefordert: „Auch der Gemeinde Brannenburg stünde es gut, sich mit der mörderischen Tradition der Gebirgstruppe kritisch auseinanderzusetzen,“ meint Michael Kurz, Pressesprecher der infogruppe rosenheim. Die baldige Auflösung der von den Nazis erbauten Kaserne biete die Möglichkeit einer „demokratischen und friedlichen Umwidmung der Räumlichkeiten: Für ein Informationszentrum über die Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger wäre dies ein optimaler Ort,“ erklärt Kurz abschließend.

Das Bild zeigt Demonstrant_innen mit den Namenschildern der 14 Zivilpersonen welche bei dem Gebirgsjägermassaker in dem italienischen Dorf Falzano di Cortona (bei Arezzo) ermordet wurden.

Das Bild zeigt Demonstrant_innen mit den Namenschildern der 14 Zivilpersonen welche bei dem Gebirgsjägermassaker in dem italienischen Dorf Falzano di Cortona (bei Arezzo) ermordet wurden.

Gebirgsjäger als Kriegsverbrecher ?

Am 11. August wird die Strafkammer des Landgerichtes München I gegen den ehemaligen Gebirgsjäger, Josef Eduard Scheungraber aus Ottobrunn sprechen. Die Staatsanwaltschaft hat dem Angeklagten das am 27. Juni 1944 in der toskanischen Ortschaft Falzano di Cortona verübte Massaker zur Last gelegt, bei dem nach der Tötung zweier Wehrmachtssoldaten auf seinen Befehl als „Vergeltungsschlag“ 14 italienische ZivilistInnen ermordet worden sind. Wegen des Massakers in Falzano di Cortona wurden Scheunengraber 2006 in Italien zu lebenslänglicher Haft verurteilt, jedoch nie ausgeliefert.
Staatsanwaltschaft und die anwaltliche Vertretung der NebenklägerInnen (Hinterbliebnene und Nachkommen der Ermordeten) aus Falzano haben nun auch in dem Münchnen Prozess auf schuldig plädiert, die Verteidigung hat Freispruch beantragt.

Die Süddeutsche Zeitung und das Magazin Hinterland (S.66) berichtete übrigens, dass sich vor dem Prozess, als Zeugen geladene ehemalige Gebirgsjäger am 4.12.2006 in die Gaststätte Stocker in Rohrdorf verabreden.

Auf der Seite der Initiative „Keine Ruhe“ gibt es weitere Hintergrund Infos zu dem Prozess und laut indymedia soll am Dienstag, den 11. August 2009 ab 8.00 Uhr vor dem Landgericht München I im Justizzentrum in der Nymphenburger Straße 16. (U-Bahn-Haltestelle Stiglmaierplatz) eine antifaschistische Kundgebung anlässlich der Urteilsverkündung geben.

öffentliches Gelöbnis – oder werben fürs sterben

Am Donnerstagnachmittag (30.07.2009) soll auf dem Münchner Marienplatz ein Öffentliches Rekrutengelöbnis der Bundeswehr stattfinden. Für das „Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus“ und andere linke Gruppen stellt das Vorhaben einen „weiteren Schritt zur Militarisierung öffentlicher Räume“ dar. Die „Zurschaustellung des militärischen Gewaltapparates in der ‚Guten Stube‘ Münchens“, so die Antikriegs-Aktivist_innen, „soll die Öffentlichkeit daran gewöhnen, dass die Bundeswehr und ihre weltweiten Kriegseinsätze alltäglich sind, und damit ’salonfähig‘ werden.“ Die Antimilitarist_innen kritisieren insbesondere, dass die Bundeswehr ihre Neuausrichtung immer aggressiver in der Öffentlichkeit bewirbt. Das Militär habe „in Schulen, in Arbeitsagenturen oder auf dem Marienplatz so wenig zu suchen wie in Afghanistan oder am Horn von Afrika“, heißt es in dem Aufruf. Auch autonome Antimilitarist_innen kritisieren in dem Aufruf „Bundeswehr wegtreten! Gelöbnis stören und verhindern!“ , dass „Veranstaltungen wie das Bundeswehrgelöbnis am 30. Juli in München dienen dazu, die Präsenz des Militärs Alltag und im öffentlichen Raum zu Normalisieren und Akzeptanz und Loyalität für mörderische Kriege zu schaffen.“ und ziehen daraus die Konsequenz „Nicht allein aus Gründen des guten Geschmacks werden wir diese militaristische Inszenierung angreifen.“.
Plakat für das gelöbnix in München
Öffentliche Gelöbnisse werden jedoch nicht nur von Friedensgruppen und autonomen Antimilitarist_innen kritisiert, laut der Abendzeitung vom Donnerstag kritisieren auch Soldaten wie der Oberstleutnant Jürgen Rose das öffentliche Gelöbnis. Die Grünen, eine ehemals pazifistische Partei welche sich aber radikal gewandelt hat und den ersten deutschen Angriffskrieg seit Ende des II Weltkrieges unterstützt hat, sind gespalten. Siegfried Benker (Vorsitzender der Grünen Münchner Stadtratsfraktion) erklärt in einem Interview mit der Jungen Welt, warum er sich an den Protestaktionen gegen das Gelöbnis beteiligen, während ein Teilseiner Stadtratskollegen am Empfang für die Bundeswehrsoldaten im Alten Rathaussaal teilnimmt. Eindeutig ist auch die Position der Gewerkschaft ver.di, diese plant eine Kundgebung in der Nähe des Gelöbnisses und will dort auch ein ein langes Transparent mit der Aufschrift „Jubel über militärische Schauspiele ist eine Reklame für den nächsten Krieg. Kurt Tucholsky, 1927″ präsentieren Neben einem offenen Brief , einer Postkartenaktion haben die Gewerkschafter_innen auch Stellungnahmen von teils prominenten Persönlichkeiten gegen das Bundeswehr-Gelöbnis gesammelt.

Wenn die Bundeswehr in größeren Städten Gelöbnisse durchführt kommt es wie in München regelmäßig zu Protesten, egal ob in Berlin oder Nürnberg. In Ländlichen Regionen wie bei uns kommt es jedoch sogut wie nie zu Protesten gegen solche Gelöbnisse. Die Gemeinde Brannenburg bewirbt sogar das Gelöbnis am 12.11.09 ganz offen.

Umstrittener Kameradenkreis in Kaserne

„Es ist ein Denkmal, an dem sich die Geister scheiden: das Ehrenmal der Gebirgstruppe auf dem Hohen Brendten bei Mittenwald. Jedes Jahr zu Pfingsten veranstaltet dort der Verein „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ eine Gedenkfeier. Kritiker sehen darin eine „Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“.“ schreibt 3sat auf seiner Homepage Mit dem Text wurde der Fernsehbericht „Das Schandmal von Mittenwald“ angekündigt. Der Bericht welcher sich sowohl mit den dem umstrittenen Kameradenkreis, als auch mit den Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger auseinandersetzt wurde am Freitag 10.07.09, also einen Tag vor dem Tag der offenen Tür ausgestrahlt.

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Die Brannenburger Bundeswehrführung arbeitet offenbar trotz der zweifelhafte Aktivitäten des umstrittene Vereins mit dem Kameradenkreis zusammen. Am Samstag den 11.07. konnte sich der „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ auf jeden Fall mit einem Infostand in der
Karfreit-Kaserne präsentieren.

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Das ovb und die Nachrichtenregeln

Heute erschien auch im ovb ein Artikel zum Tag der offen Tür an der Brannenburger Kaserne. Der Artikel wirkt wie eine Bundeswehrpropagandatext. „Je näher der Tag des Abschieds von den Brannenburger Gebirgspionieren kommt, um so mehr fühlt sich offenbar die Bevölkerung mit den Soldaten verbunden,“ so der Leitsatz des Artikels. Wie der Autor auf diese Aussage kommt ist völlig unklar und unbelegt. Von journalistischen Nachrichtenregeln ,welche die Trennung von Nachricht und Kommentar beinhalten, hat der Verfasser entweder noch nichts gehört oder er bricht sie bewusst. „Ein Kompliment darf den Organisatoren vorweg gemacht werden, denn sie haben es abermals verstanden ihre Darbietungen so zu gestalten, um das vielschichtige Interesse der Besucher, ob jung oder alt, zu wecken.“ ist nur ein Beleg für die tendenziöse und unsachliche Berichterstattung. Dies ist jedoch nicht der erste „Propagandaartikel“ des „Journalisten“ Werner Krämer. In der Pfingstausgabe des ovb schrieb Krämer z.B. einen geschichtsrevisionistischen Artikel unter dem Titel „Stadt mit Panzern und Haubitzen befreit“, in welchem er die rechtsextremen Freikorpskämpfer glorifizierte. Kein Wort fand sich über die antidemokratische und Antisemitische Ausrichtung der Freikorps. Selbst die Tatsache, dass das Freikorps Chiemgau als Kampfeinheit des Freicorps Epp (Der millitante Antisemit Franz Ritter von Epp war als NSDAP-Politiker von 1933 bis 1945 Reichsstatthalter in Bayern) geführt wurde fand keine Erwähnung. Stattdessen nur Hetze gegen die Rätedemokratie welche als „Terrorherrschaft“ bezeichnet wurde. Der Vorsitzende der GEW Rosenheim hat übrigens einen Leserbrief an das ovb gesandt, in welchem er zahlreiche der Falschbehauptungen in Krämers Artikel berichtigt. Der Leserbrief wurde unseres Wissens nach nie abgedruckt.

Fremdgelesen

An dieser Stelle möchten wir auf einige Artikel in der Lokalpresse zu Brannenburg hinweisen. Auf dem Internetportal rosenheim24 findet sich unter der Überschrift „Die Gebirgspioniere laden ein – und alle kommen“ ein einseitiger, völlig unkritischer Bericht (incl. Video) zu dem Tag der offen Tür bei den Gebirgspionieren. Bereits gestern räumte das ovb dem Brigadegeneral Wolfgang Krippl eine ganze Seite Platz für seinen Artikel “Es war ein ganz besonderer Pionierstandort“ ein. Natürlich war auch hier kein kritisches Wort zum Thema Militarisierung zu finden.

Soviel zum Thema ausgewogene Berichterstattung in den Lokalmedien.

Extrem rechte Accessoire in Brannenburger Kaserne

Heute fand in Brannenburg der wohl letzte Tag der offenen Türe an der Karfreit-Kaserne statt. Ein ausführlicher Bericht zu diesem Ereignis folgt in den nächsten Tagen, vorab nur ein Kurzbericht.
Während über ein Verbot von Computerballerspielen nachgedacht wird, konnten in Brannenburg Kinder mit echten Waffen spielen. Zum Teil äußerst zweifelhafte Organisationen, wie z.B. der „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ welcher von Kritikern als „Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“ bezeichnet wurde, durften Infostände aufbauen. Händler verkauften ausserdem Accessoires welche auf eine rechte Zielgruppe abgestimmt sein dürfte. Neben Feuerzeugen mit dem Bild eines Wehrmachtssoldaten und der Aufschrift „Landser“ gab es auch Artikel mit der Aufschrift „klagt nicht kämpft“. Diese Durchhalteparole der Nazis war auch der Leitspruch der Fallschirmjäger im Zweiten Weltkrieg. T-Shirts mit diesem Aufdruck sind heute bei Neonazis sehr beliebt und werden auch hauptsächlich über neonazistische Versände vertrieben.

T-Shirt im Angebot eines Neonaziversandes – Verkaufsstand in der Brannenburger Kasserne:

aus Nazishop

Kriegspropaganda als Abschiedsshow?

Noch ist die Branneburger Karfreitkaserne, Sitz des Gebirgspionierbataillons 8. Der Standort wird jedoch im Zuge der Bundeswehrreform bis 2010 aufgelöst und das Gebirgspionierbataillon nach Ingolstadt verlegt. Drei Jahrelang hat der Bund dort an der Kaserne gebaut und dafür 130 Milionen Euro ausgegeben (Quelle: Augsburger Allgemeine) Für die Entscheidung zugunsten von Ingolstadt soll u.a. Horst Seehofer, welcher damals noch Bundestagsabgeordneter für Ingolstadt war, einer der bedeutenden Strippenzieher gewesen sein.

Wer die von den Nazis erbaute Kaserne noch einmal von innen sehen will, ehe die Soldaten abziehen hat am kommenden Samstag (11.07.09) noch einmal Gelegenheit. Unter dem Motto „mia sogń pfiad‘ eich!“laden Die Gebirgspioniere laden zu einem letzten Tag der offenen Tür. Offizielle Begrüßung durch den Bataillonskommandeur Herrn Oberstleutnant Gumprich wird um 9:15 Uhr sein. Laut Ankündigung der Bundeswehr sollen mit „Vorführungen aus Einsatz & Ausbildung, Fähigkeitsprofil der Pioniere, Ausstellungen, Vorträgen, Biergarten, Kinderprogramm und vieles mehr.“ Besucher_innen angelockt werden. Bilder von Tag der offenen Tür.2006 gibt es übrigens HIER
Antimilitarist_innen aus München kritisieren solche öffentliche Auftritte der Bundeswehr (wie Gelöbnisse oder auch den Tage der offenen Tür) als „Werben füs Sterben“ . Auch für die Informationsstelle Militarisierung (imi) ist ein solches öffentliches Auftreten ein „Kampf an der Heimatfront“ 2009 veröffentlichte die imi eine Studie welche sich näher mit dem „ Kampf um die „Hearts & Minds“ der deutschen Bevölkerung und um neue RekrutInnen für weltweite Militärinterventionen “ befasst. Wörtlich heißt es unter dem Punkt Bundeswehr auf Nachwuchs und Stimmungsfang: „ Die Bundeswehr zeichnet sich bei ihren Reklameeinsätzen vor allem durch ihr unverschämtes Verhalten aus. Absichtlich werden Minderjährige umworben und ihnen ein unkritisches Bild von der Armee präsentiert. Über Sport- und Abenteuerveranstaltungen werden die jungen Menschen für die Bundeswehr begeistert, um später an der Waffe zu dienen. Währenddessen wird auch bei älteren Menschen um Sympathien geworben. Nicht nur in Afghanistan tobt der Kampf um die „hearts & minds“
der Bevölkerung – wie es im Militärjargon heißt“
(Seite 5).

Als die Bundeswehr vor wenigen Wochen in Rosenheim an einer Berufsschule eine Werbeaktion durchführte kam es auch dort zu Protesten (Berichte bei indymedia, RFO, ovb). Für den Tag der offenen Türe sind laut der Homepage des Rosenheimer Friedensbündnis jedoch keine Protestaktionen geplant.

Fremdgelesen: Die Karfreitkaserne

Die Zeitschrift „Pressewoche“ hatte eine Artikelserie „Militärbauten im Nationalsozialismus – Die Nazi-Hinterlassenschaften“ Im Teil IV dieser Serie beschäftigt sich Max Schreiber mit dem Brannenburger Nazibau, der Karfreitkaserne. Auch wenn der Artikel zum Teil sehr unkritisch mit dem Thema Militarismus umgeht und einige sehr fragwürdige Stellen hat (nicht Nazideutschlands Kriegsvorbereitungen für den Weltkrieg, sondern eine angebliche Furcht vor einen Vormarsch italienischer Truppen in das Inntal, seien der Grund für den Kasernenbau; keine Auseinandersetzung mit dem Namen Karfreitkaserne) möchten wir auf unserem blog, auf diesen Artikel hinweisen:

http://www.pressewoche.de/furorum-geschichte.article/101158.html

Ein Denkmal für Mittenwald!

infogruppe: „Geschichtliche Auseinandersetzung auch für Brannenburg erforderlich“

Rosenheim/Brannenburg/Mittenwald. Am vergangenen Samstag wurde der Gemeinde Mittenwald ein Denkmal für die Opfer der
Gebirgsjäger im Zweiten Weltkrieg gestiftet. An der Feierlichkeit nahmen über 200 Menschen aus verschieden Ländern teil, darunter auch ein Dutzend Rosenheimer Antifaschist_innen.
Das Denkmal stellt die Trauer über die unzähligen Toten des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges in den Mittelpunkt. In der
Glasvitrine auf der massiven Metallstele befinden sich Steine und Überbleibsel aus den Ruinen des von Gebirgsjägern am 27. Juni 1944 zerstörten italienischen Ortes Falzano di Cortona, die von der dortigen Gemeinde gestiftet wurden. Seit September vergangenen Jahres muss sich der ehemalige Offizier der Gebirgsjäger, Josef Scheungraber, für dieses Verbrechen vor dem Landgericht München verantworten.
„Auch der Gemeinde Brannenburg stünde es gut, sich mit der mörderischen Tradition der Gebirgstruppe kritisch auseinanderzusetzen,“ meint Michael Kurz, Pressesprecher der infogruppe rosenheim. Die baldige Auflösung der von den Nazis erbauten Kaserne biete die Möglichkeit einer „demokratischen und friedlichen Umwidmung der Räumlichkeiten: Für ein Informationszentrum über die Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger wäre dies ein optimaler Ort,“ erklärt Kurz abschließend.

Detailierte Informationen zum Denkmal in Mittenwald können Sie der Presseinformation des AK Angreifbare Traditionspflege entnehmen:
http://keine-ruhe.org/node/125

infogruppe: „Spannagel soll sich bei NS Opfern entschuldigen!“

Über die mörderische NS- Vergangenheit der Gebirgsjäger aufklären

In der Pressewoche (Nr. 70 vom 02.05.09, S.3) erschien ein Artikel unter dem Titel „Antreten zum letzten Appell“ zu der geplanten Kasernenschliessung in Brannenburg (Lkr. Rosenheim – leider noch nicht online). In diesem Artikel wird Brannenburgs zweiter Bürgermeister Robert Spannagel wie folgt zitiert: „Außerdem hat die Kaserne Tradition!“.
Dazu erklärt die infogruppe rosenheim:

Diese Tradition der Karfreitkaserne ist eine mörderische: 1935/36 von den Nazis errichtet,wurde sie ab Herbst 1936 durch die Gebirgsjäger genutzt. Dabei waren die deutschen Gebirgsjäger im II Weltkrieg an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt. Historiker haben ihnen über 50 Massaker an der Zivilbevölkerung nachgewiesen. Sich auf diese Tradition zu berufen ist eine unerträglichen Verhöhnung der Opfer.
Wir empfehlen Herrn Spannagel sich in Büchern wie “Mörder unterm Edelweiß“ von Ralph Klein, Regina Mentner und Stephan Stracke (Papyrossa, 2004) oder „Blutiges Edelweiß“ von Hermann Frank Meyer (Ch. Links Verlag, Berlin, 2008) über die Geschichte der Gebirgsjäger zu informieren und fordern ihn auf sich bei den Opfern der Gebirgsjäger zu entschuldigen. Wir fordern die Gemeinde Brannenburg auf, in Teilen der zukünftige leer stehenden Kaserne ein Informationszentrum über die Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger einzurichten.




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