Ein bischen Protest

Hier ein kurzer Vorabbericht zum gestrigen Gelöbnis in Brannenburg, diese Meldung wird in Kürze durch einen „echten“ Bericht ersetzt.
Das Gelöbnis verlief fast störungsfrei +++ rund 800 Besucher_innen +++ das Friedensbündnis verteilte Flugblätter an die Gelöbnisbesucher_innen +++ Bundeswehrredner erwähnte Flugblatt +++ potentielle Gegendemonstrant_innen wurden wegen Kleinigkeiten (z.B. Klatschen) abgeführt +++ als Antimiltaristen ein Transparent entrollen wollten wurden sie innerhalb kürzester Zeit brutal von der Miltärpolizei entfernt +++ Nach dem Gelöbnis gab es ein spontane Protestkundgebung vor der Karfreit-Kaserne gegen den Zapfenstreich.

Spontankundgebung gegen Zapfenstreich

update I (zur Dokumentation, die Pressemitteilung der infogruppe rosenheim):

Rosenheim / Brannenburg – Antimilitarist_innen beschäftigten am heutigen Donnerstag die Feldjäger zur Abschirmung eines öffentlichen Gelöbnisses der Bundeswehr. Im Anschluss kam es zu einer Protestaktion vor der Karfreitkaserne.
In einer ersten Stellungnahme erklärt die infogruppe rosenheim:
„Öffentliche Gelöbnisse sind ein verabscheuenswürdiges militärisches Spektakel, das zur Militarisierung der Gesellschaft beitragen soll. Insofern sind wir erfreut, dass sich Menschen heute als kritische Öffentlichkeit zu erkennen gegeben haben. Wir hoffen, dass die Bundeswehr nicht mehr nur in Großstädten, sondern vermehrt auch auf dem Land einen zunehmenden Unwillen der Bevölkerung zu spüren bekommt. Die Mehrheit der Menschen spricht sich bekanntermaßen gegen Kriegseinsätze im Inneren wie im Äußeren aus. Wir werden weiter darauf hinarbeiten, dass eine selbstbewusste antimilitaristische Bewegung dies in der Region auch lautstark artikuliert!
Kein Verständnis können wir für das vollkommen überzogene Vorgehen der Feldjäger aufbringen. Diese schlugen unter anderem einem Aktivisten ins Gesicht und hielten Antimilitarist_innen den Mund zu. Einmal mehr wird deutlich, dass dieser Staat nicht nur in Afghanistan, sondern auch an der Heimatfront mit roher Gewalt agiert. Auch durch den heute noch andauernden Bezug auf Karfreit wird deutlich, dass das deutsche Militär nicht davor zurückschreckt seine Wurzeln in Kriegsverbrechen zu suchen. Mit einem völkerrechtswidrigen Giftgaseinsatz konnten deutsche und österreichische Truppen das italienische Militär bei Karfreit im Oktober 1917 zurückschlagen. 1936 nutzten dies die Nazis als ideologischen Bezugspunkt bei der Errichtung der Brannenburger Kaserne. Die auch dort stationierte Gebirgstruppe beging zahlreiche Massaker und Kriegsverbrechen in ganz Europa. Dieses sind die Traditionen, die viele der Lobhudeleien auf die Kaserne – unter anderem durch Brannenburgs Zweiten Bürgermeister – notwendigerweise miteinschließen.
Deshalb haben sich anlässlich eines ‚großen Zapfenstreichs‘ Menschen spontan zu einer Protestaktion gegen die Kaserne in deren unmittelbarer Nähe eingefunden. Mit dem militärischen ‚Festakt‘ sollte der Abschied der Gebirgspioniere aus Brannenburg gefeiert werden. Wir hoffen, dass die Kaserne samt ihrem Schießplatz jetzt schnell abgewickelt wird. In diesem Zusammenhang erneuern wir die Forderung nach einer demokratischen und friedlichen Umwidmung der Räumlichkeiten: Für ein Informationszentrum über die Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger wäre dies ein optimaler Ort.“

update 2 Pressemitteilung des Friedensbündnis Rosenheim vom 13.11.09

„Ein Hauch von Protest“
Friedensbündnis zieht eine gemischte Bilanz der Proteste anlässlich des öffentlichen Gelöbnisses.
Öffentlichen Gelöbnisse werden von ihren Kritiker_innen als vordemokratisches Ritual“ abgelehnt. Oftmals stören hunderte Gegendemonstranten die militaristische Propaganda. Anders verlief das Gelöbnis am gestrigen Donnerstag in Brannenburg. Nur etwas mehr als ein Dutzend Friedensaktivisten fanden sich auf der Wiese nahe des Talbahnhof der Zahnradbahn ein. Nach dem bereits vor Beginn des Gelöbnisses 500 Flyer an die Zuschauer_innen verteilt wurden, versuchten Friedensaktivisten kurz vor der Gelöbnisformel ein Transparent auszubreiten. Die Friedensaktivist_innen wurden jedoch innerhalb kürzester Zeit brutal von der Militärpolizei überwältigt. „Ich breche dir die Nase“ war die wörtliche Aussage eines Militärpolizisten während er einen friedlichen Antimilitaristen mit zugehaltenem Mund abführte. Nach dem Gelöbnis demonstrierten noch einige Kriegsgegner_innen vor der Karfreit-Kaserne mit Sprechchoren und Transparenten gegen den dort stattfindenden großen Zapfenstreich. Das Friedensbündnis Rosenheim zieht nach dem öffentlichen Gelöbnis eine gemischte Bilanz. „Es ist uns nicht gelungen das vordemokratische Ritual effektiv zu stören“ meinte eine Sprecherin des Friedensbündnisses selbstkritisch. „Trotzdem haben sich einige zivilcouragierte Menschen auch ohne öffentliche Mobilisierung entschlossen ihr Recht auf freie Meinungsäusserung war zunehmen und die öffentliche Kriegspropaganda anzuprangern. Es war wenigstens ein Hauch von Protest zu merken“. Die Einschränkung der Meinungsfreiheit durch den Militärapparat ist für das Friedensbündnis „unverhältnismäßig“, besonders kritisiert wird das gewalttätige Vorgehen der Soldaten wegen Nichtigkeiten, beispielsweise wegen Applaudierens.


1 Antwort auf „Ein bischen Protest“


  1. 1 Markus Lischka 16. Dezember 2009 um 17:00 Uhr

    Auch hier der vermutlich erfolglose Versuch, Gegenkritik bekannt zu geben:

    Wer öffentlich beleidigt und provoziert, ist friedlicher als der Militärapparat.

    Hört endlich auf, die Soldaten der heutigen Bundeswehr mit den Nazis zu vergleichen. Die Neos sind vorwiegend in der zivilen Welt zu finden. Wann demonstriert Ihr gegen die?
    uch wir schämen uns für die Vergangenheit – haben damit aber ebensoviel zu tun, wie Ihr. Und Ihr seid ebenso Deutsche mit exakt der selben Vergangenheit. Wenn Ihr das mal gerafft habt, könnt Ihr mit so Sprüchen wie „Vordemokratisches Ritual“ kommen. Findet aber vorher heraus, was das überhaupt bedeutet.

    Der Soldat, den Ihr so friedlich beschimpft, zettelt ebenso wenig einen Krieg an, wie er Namen für Kasernen vergibt.

    Wenn diese meine Antworten hier nicht mit veröffentlicht werden, haltet Ihr mir ebenso den Mund zu, wie es die Polizisten getan haben. Wurde der Polizist übrigens in Bezug auf „Recht am Bild“ gefragt, ob Ihr sein Foto im Internet veröffentlichen dürft? Die Aktivisten wurden ja schön unkenntlich gemacht – vermutlich schämen sie sich ihrer Sache.

    Definieren Sie „Kriegseinsätze im Inneren wie im Äußeren“ – die Bundeswehr ist seit ihrem Bestehen in keinem einzigen gewesen.

    Kriegsgegner? Sind wir auch. Wir retten Euch nur den Hintern, wenn es zu einem kommt. Und nochmal zum Thema Demokratie und Zeitgemäß: Wer zettelt einen Krieg an? Die Bundeswehr? Der Soldat, den Ihr beschimpft?

    Ein bißchen über den Tellerrand gucken hätte hier so manchem nicht geschadet, denk ich. Ich bin seit 15 Jahren Soldat. Ich hab noch keinen erschossen, nur Landsleute aus verschiedensten Situationen gerettet – mit und ohne Uniform. In Auslandseinsätzen habe ich meine „Gefahrenzulage“ an die dortigen bedürftigen weitergegeben. Ihr habt Recht, ich bin ein Mörder – wie alle anderen. Und: Ich bin friedlicher als Ihr, weil die Bundeswehr noch nie gegen so friedliche Beschimpfer wie Euch demonstriert hat.

    Wieviel habt Ihr schon geholfen in der Welt? Wem noch, außer Euch selbst? Habt Ihr auch dem Mazedonischen roten Kreuz aus eigener Tasche 3 Computeranlagen zur Beschäftigung und Bildung von drogensüchtigen Kindern von der Straße gespendet? Auch kosovarischen Flüchtlingen Dachstuhl, Fenster und Türen eingebaut und einen Ofen geschenkt? Wieviele Minen habt Ihr schon geräumt, die Ihr nicht hingelegt habt? Würdet Ihr´s denn machen? Wer wird Euch denn ausbilden? Auch schon an Kindergärten Spielplätze gebaut? Minensensibilisierungstraining mit Schulen und ganzen Dörfern zu deren Sicherheit durchgeführt? Wann habt Ihr schonmal Eure eigenen Spielsachen an die Kinder verteilt, die´s brauchen? Schonmal einem Kind, das Ihr nicht kennt, ein Fahrrad geschenkt? Wie ist denn das Gefühl, wenn Ihr ein jugoslawisches Panzergeschoss (aus einem Krieg, den sie ganz ohne die Bundeswehr angezettelt haben – beendet wurde er mit Hilfe anderer kriegstreiberischer Militärs wie die Bundeswehr!) aus der Wohnzimmerwand von Zivilisten geholt? Wo wart Ihr, als die Oder überging? Seid Ihr auch mit Schlauchboten in Dresden rumgefahren und selbst fast abgesoffen, als Ihr Menschen gerettet habt? Habt Ihr auch in Traunstein Keller ausgepumpt und Kühe gerettet? Ich hab keinen von Euch am Feichteck gesehen, als wir im tiefsten Schnee mit der Bergwacht einen Vermissten gesucht haben. Habt Ihr auch gerade in Italien Schlamm geschippt, als die Bundeswehr nach dem Erdbeben dort geholfen hat? Schonmal Verletzte aus einem Minenfeld geholt? Hab ich schon erwähnt, dass DIE BUNDESWEHR (schließlich reden wir ja zeitgemäß von der Zeit NACH dem Nationalsozialismus, oder?) noch nirgends Minen hingeschmissen hat?

    BLEIBT IHR DENN WENIGSTENS STEHEN, WENN IHR ZU EINEM UNFALL KOMMT?

    Das sind nur ein paar Einsätze, an denen ich selbst mitgewirkt hab – wir reden von einem einzigen, kriegstreiberischen Soldaten, der gerade einen Auszug davon präsentiert hat, was er als kriegstreiberischer Soldat getan hat. Und glaubt mir: Die Bundeswehr macht ein kleinwenig mehr und andere Dinge als der ewige Scheiß, den Ihr ständig anprangert.

    Wie kritikfähig seid Ihr? Haltet Ihr mir auch den Mund zu? Kommt meine Anwort so, wie ich sie geschrieben hab? Kommt sie überhaupt? Laßt Ihr zu, dass jemand verurteilt, was Ihr tut – so wie Ihr gegenüber der Bundeswehr? Wir werden es sehen – wenn dieser Beitrag von mir auf Eurer Seite auftaucht.
    Und zuletzt: Wieviel von alldem habt Ihr gewußt?

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