Nun auch noch Zapfenstreich

Heute findet in Brannenburg das viel kritisierte öffentliche Gelöbnis statt. Das von Kritiken als „Werben fürs sterben“ bezeichnete Event soll um 17:00 Uhr an der Freizeitanlage beim Talbahnhof der Zahnradbahn (Sudelfeldstr. 104 – Karte) beginnen. Eine Gegendemonstration ist unseres Wissens nach nicht angemeldet, jedoch schreibt die Infogruppe Rosenheim in ihrem „Infomail“:

„Die Gewerkschaft ver.di hat anlässlich des Gelöbnisses in München dazu aufgerufen „eine kritische Öffentlichkeit herzustellen“ – diesen Aufruf möchten wir uns anschließen. Wer die Öffentlichkeit sucht – muss sie ertragen.“

[2] Wie vor kurzem bekannt wurde ist damit aber nicht genug der Militärpropaganda. Um 19:30 Uhr soll der „Standort Brannenburg mit einem „Großen Zapfenstreich“ (…) eine letzte militärische Ehre“ [1] erhalten. Der Große Zapfenstreich ist laut wikipedia „eine feierliche, am Abend abgehaltene Militärzeremonie mit Streitkräften und Musik. Er ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr.“ Laut der freien Enzyklopädie gibt es aber immer wieder Forderungen, den Großen Zapfenstreich abzuschaffen

. „ Der bekannte SPD-Politiker Hans Koschnick bezeichnete ihn als „vordemokratisch“ und „nicht mehr zeitgemäß“. 1996 scheiterten PDS und Bündnis 90/Die Grünen im Petitionsausschuss des Bundestages mit ihrer Forderung, die Aufführung des Zapfenstreichs oder mindestens die religiösen Riten darin zu verbieten.Auch antimilitaristische und pazifistische Gruppen stellen sich ebenso gegen diese Zeremonie wie gegen öffentliche Gelöbnisse.“

[3]. Dieses Militärspektakel findet wenigsten hinter den Kasernenmauern auf dem Exerzierplatz der Karfreit-Kaserne statt.

Zapfenstreich

Bild: Angehörige der Bundeswehr während eines Großen Zapfenstreiches zum fünfzigsten Gründungstag der Ramstein Air Base, Deutschland. [2002], Fotograf: MSGT JOHN P. SNOW, USAF

[1] Quelle: http://www.brannenburg.de/tourismus-freizeit/veranstaltungen.html, Eingesehen am 11.11.09
[2] Quelle: http://infogrupperosenheim.beepworld.de/emailverteiler.htm, Eingesehen am 11.11.09
[3] Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Zapfenstreich, Eingesehen am 11.11.09


1 Antwort auf „Nun auch noch Zapfenstreich“


  1. 1 Markus Lischka 14. Dezember 2009 um 19:52 Uhr

    Ich habe wehmütig nach meiner militärischen Heimat gegoogelt und bin über diesen Artikel gefallen. Ich kann an dieser Stelle leider nichts anderes kundtun, als meine Enttäuschung massivst zum Ausdruck zu bringen. Dabei bin ich gleichzeitig gespannt, ob mein Kommentar überhaupt in diesem Zusammenhang angezeigt wird.

    Ich kam 1995 zur Bundeswehr – nach Brannenburg. Ich war und bin immernoch mit Leib und Seele Soldat, und was ich bisher bei der Bw getan habe, ist nur eines: Helfen.

    Mal abgesehen von Auslandseinsätzen, bei denen ich es aufgegeben habe, eine gewisse Rückendeckung von meinem zivilen Vaterland zu bekommen, in denen ich mein eigenes Leben auf´s Spiel gesetzt habe, um irgendwelchen Menschen (und dabei spielt es für mich absolut keine Rolle, welcher Nation diese angehören)z.B. durch das Räumen von Minen zu helfen bzw. ihnen wieder ein halbwegs normales Leben zu verschaffen, war ich in MEINEM Land, das so wenig auf mich gibt, in 4 Hochwassereinsätzen. Wir waren da, wo andere wegliefen, wo die landeseigenen zivilen Hilfskräfte allein nicht mehr vorwärts kommen. Wir haben Tag und Nacht geschuftet, um Eure Keller wieder leerzubekommen, Euer Vieh zu retten – und Euch zu retten und zu helfen.
    Als wir kamen, hingen die Transparente „Soldaten, wir danken Euch“ in den Straßen – als wir wieder fuhren, stand „Soldaten sind Mörder“ darauf…

    Ob Gebirgswegebau, Hilfe bei Lawinen- und Muranabgängen, Unterstützung der Bergwacht beim Auffinden und Retten von Lawinenopfern oder Vermißten – die Brannenburger Gebirgspioniere waren so ziemlich überall zur Stelle.

    Kein Soldat verlangt in irgendeiner Weise Dankbarkeit. Akzeptanz ist das, was in Eurer Welt fehlt, Verständislosigkeit und Aussagen über Dinge, über die Ihr nicht genug wißt. Damit möchte ich niemanden angreifen, nein – vielmehr ein bißchen zum Nachdenken bewegen. Und mal ganz ehrlich: Schafft mal die Bundeswehr ab. Was passiert dann? Ewiger Frieden auf der Welt?

    „Die Polizei enfernt brutal Demonstranten“. Auch recht, denen geht´s kaum besser wie uns. Also: Polizei auch abschaffen. Weiter? Wen ruft Ihr beim Verkehrsunfall? Bei einem Einbruch? Angriff? Vergewaltigung? Wollt Ihr das alles friedlich selber klären?

    Es gibt auf der ganzen Welt nicht einen Beruf, mit dem alle einverstanden sind. Zumindest keinen, der in irgendeiner Weise für Recht und Ordnung sorgen soll. Aber wieso gibt es diese Kräfte überhaupt? Läuft denn wirklich alles ohne?

    Die Bundeswehr besteht nicht aus schießwütigen Kindern, die zum Militär gegangen sind, um endlich mal legal irgendwo einen abzuknallen. Wann immer sich Soldaten der Bw irgendwo verteidigen müssen – ich schreib´s gern nochmal: VERTEIDIGEN MÜSSEN – wird ihnen juristisch ein Strick daraus gedreht. Bei der Polizei ist´s nicht anders. Jeder, der eine Waffe führt – führen muss – ist der Depp, wenn er sie mal einsetzen muss. Klar können wir sie auch wegschmeissen und uns umballern lassen. Wenn´s Kritikern wie Euch dann besser geht?

    Es tut mir Leid, dass ich da jetzt etwas zu emotional geworden bin. Fakt ist: Wir setzen uns für das ein, was uns wichtig ist, im In- und Ausland. Ja, richtig: Es steht jedem frei, zur Bw zu gehen. Wir jammern deswegen auch nicht, wir WOLLEN es ja tun. Aber uns werden die falschen Beweggründe unterstellt.

    Es ist für mich in keinster Weise nachvollziehbar, wieso sich manche über ein Gelöbnis aufregen – wem´s nicht gefällt: Es besteht keine Anwesenheitspflicht. Die Videotheken haben heute nahezu 24h offen, Ihr könnt auch Film gucken. Aber laßt denen, für die diese Veranstaltung aufgezogen wird, ihren Moment.

    Ich könnte jetzt noch ein ganzes Buch hier verfassen mit dem, was mir auf den Nägeln brennt, es würde nur leider zu nichts führen. Aber hier nochmal meine Bitte: Ein paar Gedanken zum Thema (die Bw hat durchaus auch ihre guten Seiten) könnten manchem nicht schaden.
    Man braucht auch nicht mit allem einverstanden sein – ist sowieso keiner. Sprit zu teuer, Geschwindigkeitskontrollen, Essen wird teurer, Nichtraucherschutz – vollkommen egal, worum es geht, man wird es nie jedem Recht machen können. Allerdings sind auch viele nicht mit unserer Regierung zufrieden – auch abschaffen?

    Gespannt, wie Kritik an der Kritik hier behandelt wird,

    Markus Lischka.

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