SPD gegen Gelöbnis in Rosenheim (85)

Die infogruppe rosenheim dokumentierte in ihrem Oktober Infomail einen Beschluss der Rosenheimer SPD zu einem öffentlichen Gelöbnis auf dem Max-Joseph-Platz im Jahr 1985 . Wir ergänzen an dieser Stelle die einleitenden Worte des damaligen Juso Aktivisten und heutigen Rosenheimer SPD Stadtrat Andreas Lakowski.

Liebe Buschtrommler,

anbei ein Antrag der JUSOS gegen das Öffentliche Gelöbnis, der nach eingehender Diskussion mit 30:26 Stimmen von der Kreisdelegiertenkonferenz der SPD angenommen wurde.
Nach der Entscheidung der Stadtratsfraktion ist diese Überraschung ein beachtliches und respektables Bekenntnis der Rosenheimer SPD zur Friedensbewegung, was vor allem in der Diskussion deutlich zum Ausdruck gebracht wurde – auch von älteren Genossen. Als Überaschung halte ich dieses Faktum allerdings auch wieder für beschämend. Trotzdem sollten wir froh sein über die Überwindung der Schmidt-Apel-Position in diesem wichtigen Punkt. Diese halte ich nämlich nicht für traditionelle Sozialdemokratie, sondern für atypisch, wie es ja auch in Eurem Artikel impliziert zum Ausdruck kommt. Mir bleibt die begründete Hoffnung, daß man vor Überraschungen dieser Art in der Volkspartei SPD künftig sicherer sein wird.

Noch was zum Gelöbnis: Wir, d.h. die auf dem Ostermarkt vertretenen Gruppen haben den Fehler gemacht, nicht rechtzeitig auf dieses Datum hingewiesen und eine breite Diskussion inittiert zu haben. So latschen wir am 11. Mai auf der Demo ‚mal wieder den Ereignissen hinterher – aber trotzdem hoffentlich zahlreich.

Mit sozialistischem Gruß
Andreas Lakowski (Jusos)

Burschtrommel, 8.Jahrgang Nr. 37 (Mai/Juni ’85)

Und hier nun der Abschnitt aus dem Infomail:

SPD auch gegen Gelöbnis in Rosenheim

Die Rosenheimer Kreisdelegiertenkonferenz spricht sich gegen das öffentliche Rekrutengelöbnis am 14.05.85 auf dem Max-Joseph-Platz aus.
Die seit kurzem steigende Häufigkeit der öffentlichen Gelöbnisse widerspricht den von weiten Teilen der Bevölkerung getragenen Vorstellungen der Friedensbewegung, als deren Teil auch die SPD sich begreift. Offensichtlich handelt es sich hierbei um eine gewollte „schleichende Militarisierung“ der Bevölkerung gegen den „Ungeist“ der Friedensbewegung. Angesichts der zeitlichen Nähe zum 8.Mai, dem 40. Jahrestag der Befreiung von der Nazidiktatur, ist eine solche militärische Demonstration doppelt geschmacklos.

Mit diesem Antrag setzt die Rosenheimer SPD ein Zeichen für den Willen zur Abrüstung, die Erziehung zum Frieden und die internationale Völkerverständigung.

Quelle: Buschtrommel, 8. Jahrgang Nr.37, Mai/Juni ’85, S.4
Aus Zeiten, in denen die SPD noch ernst zu nehmen war. Gegenüber Brannenburg Aktuell hat Angelika Graf jüngst erklärt für öffentliche Gelöbnisse irgendeiner „Friedensarmee“ zu befürworten. Was sie und andere Bundestagskandidat_innen dazu gesagt haben fasst Brannenburg Aktuell zusammen.


1 Antwort auf „SPD gegen Gelöbnis in Rosenheim (85)“


  1. 1 Maximilian Most 08. Oktober 2009 um 21:29 Uhr

    Die SPD hat sich zu einem jämmerlichen Haufen entwickelt. Bei Angelika Graf ist in den Jahren auch das letzte bisschen Rückgrat verloren gegangen. Die brauchen jetzt auch gar nicht mehr Opposition spielen, sie wollen ja doch nur mitregieren, mitregieren und wieder mitregieren. Und die, die an sie glauben, hat die SPD noch immer verarscht.

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