Karl Raupp und das Brannenburger Künstlerleben im Jahr 1860

Das OVB berichtet derzeit in einer Artikelserie über das Künstlerleben in Brannenburg. In der gestrigen Ausgabe war der Landschafts- und Genremaler Karl Raupp (1837 bis 1918) Thema des Artikel. Der gebürtige Darmstädter
beschreibt in die „Erinnerungen an die Künstlerkolonie Brannenburg“ das damalige Branneburger Künstlerleben um 1860 wie folgt:

Brannenburg. Es war im Regensommer 1860. Brannenburg bei Rosenheim war damals als Künstlerstudienplatz sehr in Aufnahme gekommen; das große Gasthaus des Ortes hatte sich vollständig auf eine zahlreiche Malercolonie eingerichtet. Unter dessen Dache, von einer Giebelgalerie zur anderen, zog durch die ganze Länge des ganzen Hauses sich ein schmaler Gang hin, in welchen wohl zwanzig Thüren mündeten. Jeder dieser Thüren führte zu einem kleinen Zimmer, dessen Fensterchen auf das mit Steinen beschwerte Schindeldach hinausging. Bett, Tisch, Stuhl und Spiegel – mehr war kaum darin und mehr hätte auch wohl kaum Platz gefunden. Der ledige, jüngere Maler wohnte hier „in der Bleikammer“, wie analog der venetianischen Einrichtung, dies Logement genannt wurde.
Unten, parterre, war links vom Hauseingang ein größeres Gastzimmer, daran anstoßend ein schmales kleines Local, das Malerzimmer. Dasselbe vereinigte die Inhaber der Bleikammern beim Mittagstisch und zur Abendkneipe. Die Wände zierte allerhand künstlerischer Schmuck, über der Thüre prangte ein Schild, das Künstlerwappen zeigend. Ein fideler „Gott sei bei uns“ saß darauf und drum herum stand geschrieben:
„Pfui Teufel, ist das Leben schön!“
Der Wirt, Herr Niggl, ein dicker Pagode, stets vor dem Hause sitzend, kümmerte sich um nichts. Seine Frau, rührig, freundlich und immer fleißig, hatte zwei Töchter, die lange Mathild und das hübsche Walperl. Fast jeder jüngere Maler verlor für die Dauer seines Aufenthalts sein Herz an die kleine Kokette. Das Haus wimmelte vor weiblicher Bedienung, alles freundlich und fleißig unter dem Oberbefehle des dicken alten Factotums, der Kellnerin Amelie. Rechnungen wurden nicht ausgestellt. Der Gast ward, hauptsächlich nach seinem Bedarf in den ersten Tagen, abgeschätzt und danach sein Konto für die ganze Dauer seiner Anwesendheit belastet. Jubelnd empfangen, bei der Abreise mit nachgesendetem Juhschrei herzlich verabschiedet, war der Maler in Wahrheit der alleinige Herr im Hause und wenn Künstlerlust und -humor auch dasselbe so zu sagen auf den Kopf stellte, – lachend wurde es geduldet!

Raupp Ein Sonntag im Walde

Bildquelle: wikipedia dort wird das Gemälde(wohl fälschlicher Weiße ) als „The nosy Dachshound: a sunny spot in the woods“ betitelt, laut Kunst für alle http://www.kunst-fuer-alle.de/deutsch/kunst/kuenstler/kunstdruck/karl-raupp/18613/2/159957/ein-sonntag-im-walde/index.htm heißt der Titel jedoch „Ein Sonntag im Walde“.

Raupp malte mit Vorliebe stimmungsvolle Bilder, in welchen Landschaft und Staffage sich das Gleichgewicht halten, und vorzugsweise Motive aus dem Leben der Fischer und Landleute am Chiemsee, weshalb er auch auch der „Chiemsee-Raupp“ genannt wird. Auch gründete er auf der der Fraueninsel eine Malerkolonie und verfasste ein Handbuch der Malerei (4. Aufl. 1904) und war Mitherausgeber der 1918 veröffentlichten Künstlerchronik vom Frauenchiemsee. Er verstarb am 14. Juni 1918 in München. Auf http://www.karl-raupp.de/ findet sich folgende Biographie des Künstlers:

Karl Raupp wird 1837 in Darmstadt geboren. Dort erhält er seine erste künstlerische Ausbildung bei dem Landschaftsmaler August Lucas. Im Jahr 1856 begibt sich der junge Raupp nach Frankfurt am Main und lässt sich bis 1858 bei Jakob Becker an der Städelschule ausbilden. Kurze Zeit später wechselt Karl Raupp bis 1866 an die Münchner Akademie und wird in der Meisterklasse von Karl Theodor von Piloty in die historische Figurenmalerei eingeführt. Raupp erhält dort wesentliche Anregungen einer „artistischen Plattenkultur“, die er im landschaftlichen Genre verwirklichen kann. 1868 bis 1879 lehrt Karl Raupp als Professor an der Nürnberger Kunstgewerbeschule. Anschließend kehrt der Künstler nach München zurück und erhält im Jahr 1882 einen Lehrauftrag an der Münchner Akademie. Im Jahr 1969 lernt er den Chiemsee und die zugehörige Fraueninsel kennen, deren Landschaften und Menschen Raupp zu zahlreichen Bildern anregen. Der „Chiemsee-Raupp“, wie er auch genannt wird, gründet die Malerkolonie auf der Fraueninsel und ist Mitherausgeber der im Jahr 1918 erschienenen Künstlerchronik von Frauenchiemsee. In seinem Schaffen verbindet der Maler Karl Raupp ein genaues Studium der Landschaft, wie es bereits im Biedermeier geflegt wird, mit dem gründerzeitlichen Genrebild. Raupp führt ähnlich wie Joseph Wopfner in seinen Chiemsee-Landschaften die Darstellung hochtragischer Effekte als künstlerisches Novum ein. Die Szenen von fast kenternden Booten, in denen sich der Mensch vor elementar erregtem Naturgeschehen aufrichtet, bestimmen seine zur Reportage neigende Malerei. Karl Raupp veröffentlicht sein technisches und theoretisches Wissen in dem „Handbuch der Malerei“ (4.Auflage 1904). Raupps Kunstwerke sind in deutschen Museen vertreten, u.a. die Bilder „Aufziehendes Gewitter am Chiemsee, um 1885″ in der Neuen Pinakothek in München und „Sandiger Hang mit Baumgruppe“ in der Städtischen Kunstsammlung in Kassel.

Ein seltenes Photo des Künstlers Karl Raupp findet sich auf übrigens der Internetseite der Akademie der Bildenden Künste.


1 Antwort auf „Karl Raupp und das Brannenburger Künstlerleben im Jahr 1860“


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