Sanft oder barrierefrei? Wie wollen die Bundestagskandidat_innen den Tourismus gestalten?

CSU und Linkspartei auf einer Linie? Wenn es um die Förderung des Tourismus geht offenbar schon. Walter Mini und Daniela Raab fordern gleichermaßen eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf 7% und begrüßen die Bildung eines Tourismusverbandes. „Marktführer“ in den Vorschlägen zur Tourismusförderung ist aber das Schlagwort „sanfter Tourismus“, das Anna Rutz (Grüne), Florian Weber (Bayern Partei) und Josef Fortner (ÖDP) gleichermaßen anführen. Für ÖDP und Grüne steht dabei der Öffentliche Personen Nahverkehr im Vordergrund, während die Bayern Partei den Erhalt der Heimat an erste Stelle setzt. Siegfried Pielsticker von der Rentnerinnen und Rentner Partei schlägt einen Bergtier- und Naturpark vor, während Angelika Graf (SPD) vor allem barrierefreien Tourismus anregt.
Die Nachteile des Tourismus standen in den Ausführungen eher im Hintergrund. Dabei ist unverkennbar, dass die Hotel und Gaststättengewerbe Arbeitsplätze vor allem im Niedriglohnsektor schaffen – in diesem Kontext die Einführung eines Mindestlohns zu fordern fiel den Befragten entweder nicht ein oder erschien ihnen als zu unpopulär. Auch der Beitrag der Milchbäuerinnen und -bauern, die im Wesentlichen die Landschaft, auf der der Tourismus fußt, erhalten, kann wohl weiterhin mit 23 Cent pro Liter vergütet werden.

Hier noch einmal der O-Ton der Kandidierenden auf die Frage „Brannenburg als Luftkurort ist ein beliebtes Ferienziel. Tourismus hat aber auch Nachteile. Sollte ihrer Meinung nach der Tourismus gefördert werden und wenn wie?

Fortner (ÖDP)

Tourismus ja – aber als sanfter Tourismus – das bedeutet nicht mehr
technische Ausbauten, sondern die vorhandene Natur und Umwelt den Gästen zeigen und erschliessen. Gäste sollten mit öffentlichen Verkehrsmittel anreisen aber auch günstige Angebote für Fahrten innerhalb des Landkreises bekommen. Ich habe dazu Erfahrungen von Urlauben mit der Familie am Bodensee oder im Sauerland wo für die Familien es sehr günstige Angebote gab das Auto stehen zu lassen. Dazu könnte man lokale und regionale Eigenheiten vorstellen. Die Gäste wären integriert und hätten kurze Wege . usw.

Graf (SDP)

Ich bin dafür den Tourismus zu fördern, denn er schafft wichtige Arbeitsplätze vom Gastgewerbe bis zum Einzelhandel. Ich spreche mich dafür aus insbesondere naturnahen und barrierefreien Tourismus zu fördern. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels müssen wir weg von Schneekanonen und hin zu neuen, naturnahen Angeboten wenn wir nicht irgendwann das Nachsehen gegenüber Österreich haben wollen und es mit dem Klimaschutz ernst meinen. Der barrierefreie Tourismus ist ebenfalls eine Zukunftschance, denn wir haben eine älter werdende Gesellschaft und älter werdenden Tourismus. Wer sich jetzt mit barrierefreien Angeboten – von denen Ältere, Menschen mit Behinderungen aber auch Familien mit Kinderwagen profitieren – hervortut, wird diesen Zukunftsmarkt erschließen. Barrierefreiheit in der Kommune – also z.B. behindertengerechte öffentliche Einrichtungen, Attraktionen, Öffentlicher Personennahverkehr, Bahnhof – nützt dabei nicht nur den Touristen sondern auch den Einheimischen.

Mini (Die Linke)

Wie ich beobachten musste hat in Brannenburg in den letzten Jahren ein extremes Gastättensterben stattgefunden. Eine kleine Hilfe für die Gastronomie währe die Verminderung des Mehrwertsteuersatzes auf 7 %. Die Verantwortlichen im Fremdenverkehr haben das einige Richtige gemacht und sich zusammengeschlossen damit die Region als gesamtes Vermarktet werden kann.

Raab (CSU)

Zunächst muss ein gesenkter Mehrwertsteuersatz von 7% für das Hotel- und Gaststättengewerbe gelten. Außerdem begrüße ich die Schaffung eines gemeinsamen Tourismusverbandes für die ganze Region Rosenheim, Inntal und Chiemgau.

Pielsticker (RRP)

Ja, evtl. durch speziellen Bergtier- und Naturpark, Alleinstellungsmerkmal: Voralpiner Landcharakter zu vermarkten

Rutz (Bündnis 90 – Die Grünen)

Tourismus ist wichtig – wenn er richtig betrieben wird – ist er Wirtschaftsfaktor und bedeutet Kaufkraftgewinn und Arbeitsplätze für die Region.
Gefördert werden sollte aber vorallem der „sanfte Tourismus“ d. h. Umweltfreundliche Mobilität (s.o.), vorbildlicher Umgang mit unserer Umwelt und den Resourcen. Von diesem Schutzprogramm und einer intakten Flora und Fauna , profitieren nicht nur Gäste sondern vorallem auch die einheimischen Bürgerinnen und Bürger und zwar nachhaltig, heute, morgen und auch noch übermorgen.

Weber (BP)

Ich trete fuer eine Foerderung des „sanften Tourismus“ ein. Dies bedeutet eine sinnvolle Synthese aus Fremdenverkehr mit dem Erhalt der Heimat, welche ja auch Grundlage fuer den Tourismus ist.





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