SPD gewinnt knapp, GRÜNE und CDU/CSU fast gleichauf. Piraten und Tierschutzpartei über 5 %

Wenn es nach Kindern und Jugendlichen gehen würde, währe es bei der Bundestagswahl zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Bei der U18-Bundestagswahl am vergangenen Freitag lieferten sich SPD, GRÜNE und CDU/CSU ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Knappe Siegerin mit 20,45% der Stimmen wurde die SPD, dicht gefolgt von den GRÜNEN mit 20% und der CDU/CSU mit 19,35%. Neben der Linken (10,35%) und der FDP (7,6 %) währe auch die Pitatenpartei (8,7%) sowie die Tierschutzpartei (5,19%) im Bundestag vertreten. Bundesweit gab es über 1000 Wahllokale, in Bayern 141, im Wahlkreis Rosenheim jedoch kein einziges.

U18 Wahl Bund

An der U 18 Wahl hatten 127.208 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren teilgenommen. Für die Stimmabgabe waren über 1.000 „Wahllokale“ geöffnet, die in Schulen, Freizeiteinrichtungen und an weiteren Orten, an denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten, eingerichtet worden waren. Dies war bereits die zweite bundesweite U18-Wahl. 2005 hatten sich rund 50.000 junge Menschen beteiligt. Ziel des Projekts ist es, junge Menschen für Politik zu begeistern. Candida Splett, Sprecherin des Netzwerks U18, zum Wahlergebnis: „Wir freuen uns, dass so viele Kinder und Jugendliche ihre Stimme abgegeben haben. Das zeigt: Junge Menschen wollen ihre Meinung sagen und mitbestimmen – nicht nur durch ihr Kreuzchen bei der Wahl, sondern bei allen Entscheidungen, die sie betreffen: im Elternhaus, in der Schule, in der Kommune und in der großen Politik. Dies ist die Botschaft an die Erwachsenen: Wer Kinder und Jugendliche frühzeitig mitreden und mitbestimmen lässt, muss nicht fürchten, dass sie politikverdrossen werden.“
Das genaue Wahlergebnis der 127.208 Mädchen und Jungen setzt sich wie folgt zusammen:

SPD: 20,45% 
GRÜNE: 20% 
CDU/CSU: 19,35% 
Linke: 10,35% 
Piraten: 8,7% 
FDP: 7,6% 
Die Tierschutzpartei: 5,19% 
Sonstige: 8,35% 

Bayern weicht vom Bundesergebnis ab
Beim Bayerischen Jugendring (BJR), der U18 im Freistaat koordiniert, waren 141 Wahllokale registriert. „Dabei beteiligten sich Schulen ebenso wie Jugendzentren und sogar auf Stadtplätzen fand man mobile U18-Wahllokale“, so Martina Kobriger, Präsidentin des BJR. Nach Informationen der Internetseite http://www.u18.org/ gab es jedoch im ganzen Wahlkreis Rosenheim kein einziges Wahllokal. Carolin Kallenbach, von U18, bestätigte dies auf Anfrage von Brannenburg aktuell: „In Rosenheim gab es laut Liste kein Wahllokal, was bedeutet, das dort keine der Schulen, Jugendeinrichtungen an U18 teilgenommen hat“. Warum sich weder der Stadt- noch der Kreisjugendring an dem Projekt gegen Politikverdrossenheit von Jugendlichen beteiligte ist uns nicht bekannt. Auf unsere Anfrage (vom 21.09.) bekam wir bis heute (Stand 23.09) noch keine Antwort (sobald wir eine bekommen werden wir den Artikel aktualisieren).

In Bayern gewann die CSU mit 23,78 % vor den Grünen (18%) und der SPD (15,42 %). Gefolgt von der Piratenpartei (9,33%) und der FDP (8,15 %). Auch die Tierschutzpartei (6,25 %) und die Linke (6,11%) hätten in Bayern mehr als fünf-Prozent.

U18 Bayern
Weitere Ergebnisse gibt es auf: http://www.u18.org/

Jugendring: Wahlalter absenken

Im Rahmen der U18-Aktion erneuert der Bayerische Jugendring seine Forderung nach einer Absenkung des Wahlalters. „Abgeordnete und Parteien wollen gewählt werden. Also sehen sie vor allem die Interessen derjenigen, die ihnen die meisten Stimmen bringen: Das sind schon heute die Älteren und dieser Trend wird sich aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in Zukunft noch deutlich verstärken. Jugendarbeit setzt sich zwar für die Beteiligung Jugendlicher auf allen Ebenen ein und macht Interessenpolitik für junge Menschen, aber die Politik nimmt ihre Interessen nur dann wirklich wahr, wenn sie selbst ihre Stimme in die Waagschale werfen können. Deshalb fordern wir die Fraktionen im Bayerischen Landtag auf, sich mit dem Thema Wahlalterabsenkung zu beschäftigen“, erklärt Martina Kobriger. Zuletzt wurde das aktive Wahlrecht am 24.05.1970 von 21 auf 18 Jahre gesenkt

Politische Jugendbildung stärken

Kritik gibt es am Jugendprogramm der Bayerischen Staatsregierung, in dem die Ziele, aber auch die Finanzmittel der Jugendarbeit in Bayern beschrieben sind. „Das aktuelle Jugendprogramm von 1998 muss inhaltlich dringend überarbeitet und finanziell bedarfsgerecht ausgestattet werden“, fordert BJR-Präsidentin Kobriger. Laut Bayerischem Jugendring sind dort zu wenig Mittel für politische Bildung, aber auch für Medienpädagogik oder die Integration junger Migrant/-innen eingestellt. „Während sich von 1993 bis 2008 der Staatshaushalt von 27,7 auf 44,1 Milliarden Euro fast verdoppelt hat, sind die Mittel für die Jugendarbeit bei circa 16 Millionen Euro gleich geblieben“, beklagt Martina Kobriger.

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Update 24.09.09.

auch heute bekamen wir weder vom Stadt- noch vom Kreisjugendring eine Stellungnahme. Jedoch vom bayerischen Jungendring (scheinbar hat U18 unsere Anfrage weitergeleitet), darin heißt es:

Warum es in Rosenheim keine U18-Beteiligigung gab, kann ich Ihnen leider auch nicht sagen. Wir haben U18 seit Anfang Dezember 2008 auf den verschiedensten Wegen (elektronisch, schriftlich, …) beworben.





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