Fremdgelesen: Ein Ort der Künstler

Das ovb kündigt an, in einer Serie von sechs Folgen in den kommenden Wochen, über das Künstlerleben in Brannenburg früher und heute zu berichten. In dem Artikel „Ein Ort der Künstler“ findet sich ein langes Zitat von G. A. Horst in welchem er das das Leben der Künstler in der Künstlerherberge beim Schlosswirt in Brannenburg schildert. Das Zitat stammt aus dem Aufsatz „Künstlerleben in Brannenburg vor 20 Jahren (1860), Teil 1″, welcher am 1. Oktober 1881 im Rosenheimer Anzeiger veröffentlicht wurde:

„Das Wirtshaus in Brannenburg war ehemals gerade wie für jugendliche Künstler gemacht und trotzdem die Meisten von ihnen in zellenartigen Holzverschlägen unter dem Dach sehr wenig komfortabel untergebracht wohnten, waren sie doch gleichsam Herren und Meister des ganzen Hauses. Heute noch zeugt das Künstlerwappen am Eingange des zweiten kleinen Gastzimmers von verschwundenem Leben, dieses kleinere Zimmer war jedoch damals ausgeschmückt mit Allem, was Künstlerlaune und Künstlerwitz erfinden konnte. An den Wänden hingen Skizzen und Bilder, unter denen eine, auf einen alten Faßdeckel gemalte Landschaft hervorragte, phantastische Figuren aus Baumwurzeln waren angebracht und selbst die Fensterscheiben waren von dem jetzt weitbekannten Thiermaler Jutz mit allerliebsten transparenten Bildern von Enten, Pfauen u. dgl. versehen. Hier war nun das Allerheiligste der Künstler und nur durch die geöffnete Thüre des anderen Raumes konnten die, ihnen zahlreich nachgezogenen Sommerfrischler an ihren Unterhaltungen theilnehmen. Der Mehrzahl nach war es ein begeistertes junges Volk, was da sein Wesen trieb, doch zählte man schon bedeutende und berühmte Namen unter ihnen. Früh Morgens war der Auszug mit Studienkasten und Feldstaffelei und mit besonderer Vorliebe wurden der „Grund“ oder die „Biber“ aufgesucht, dort standen dann in den belebtesten Tagen die weißen Schirme unfern von einander wie Riesenpilze und in der ganze Umgegend waren die Maler wohlbekannte und gerngesehene Erscheinungen. War so der Tag dem emsigen Fleiße, dem Sammeln von Studien und Skizzen gewidmet, so gehörte der Abend der harmlosesten, ungebundesten Lebenslust. Anders mag jetzt die Menschheit die flüchtige Stunde genießen, sicher aber sind jene Tage in Brannenburg allen Theilnehmenden in unvergeßlicher Erinnerung geblieben.“

Der ovb Bericht ist unter: http://www.ovb-online.de/kultur/kuenstler-464633.html zu finden.


1 Antwort auf „Fremdgelesen: Ein Ort der Künstler“


  1. 1 Karl Raupp und das Brannenburger Künstlerleben im Jahr 1860 « Brannenburg aktuell Pingback am 26. September 2009 um 1:25 Uhr
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