Spielplatz Krieg

Am Tag der offenen Tür der Karfreit Kaserne in Brannenburg gab es, neben vielen anderen „Attraktionen“ für Groß und Klein, unter anderem auch die Möglichkeit für Kinder Minen zu suchen und mal eine richtige Waffe in der Hand zu halten.
Kinder beim Minensuchen in der Karfreitkaserne
Fern jeglichen Bewusstseins der weltweit verbreiteten „Beziehung“ zwischen Kindern und Minen, sowie Waffen, soll hier die Bundeswehr scheinbar schon bei den Kindern als attraktiv dargestellt werden – ein großes lustiges Spiel fernab jeglicher kriegerischer und tödlicher Folgen und Absichten.
Unabhängig von der Bewertung des Versuchs der positiven Darstellung der Bundeswehr als „normaler“ Arbeitgeber, Spaß- und Freizeitfaktor und „Verteidigungsarmee“ ist das Spiel von Kindern mit Minen und Waffen nicht nur geschmacklos, sondern schlicht widerwärtig. Weltweit befinden sich mehr als 250.000 Kinder als Soldaten im Kriegseinsatz und sind gut zu einem Drittel Opfer von Minen in (ehemaligen) Kriegsgebieten.
Kinder mit Waffen in der Karfreitkaserne

Kinder als bevorzugte Opfer von Landminen
„Nach Angaben der Vereinten Nationen sind über 60 Millionen Landminen in mehr als 70 Ländern dieser Welt verlegt“ (1); von Minen und Blindgängern werden jährlich mehr als 20.000 Menschen verletzt (als ein Beispiel für registrierte tote und verletzte Minenopfer kann das Jahr 2001-2002 betrachtet werden: www.landmine.de/fix/minenopfer.htm). Diese haben gerade bei Kindern verherrende Auswirkungen, die bis zu einem Drittel zu den Opfern von Minen zählen. Da gerade Antipersonenminen darauf ausgerichtet sind Erwachsenen schwere Verletzungen an Extremitäten zuzufügen, bedeutet dies für Kinder oftmals den Tod. Da sie mit ihrer geringeren Körpergröße der Explosion der Mine deutlich näher sind, überleben sie diese seltener; auch führt eine Mine die dazu dienen soll einem Erwachsenen ein Bein wegzureißen bei Kindern leicht zu tödlichen Verletzungen lebenswichtiger innerer Organe. Überleben sie einen Minenunfall ergeben sich weitere spezifische Probleme, da z.B. der Prothesenbau besonders aufwendig ist, aufgrund des schnellen Wachstums der Kinder, weswegen sie alle 6-9 Monate eine neue Prothese brauchen.

„Das Ding sah aus, wie der Plastikdeckel einer Thermoskanne. Es lag am Straßenrand unweit eines Dorfes im Norden Somalias. Auch der von kindlicher Neugier erfüllte Griff nach dem interessanten Objekt war nichts besonderes. Doch dann der grelle Blitz, der ohrenbetäubende Knall, der sonderbare Geruch. – Erst im Krankenhaus von Hargiesa kam der sechsjährige Junge wieder zu sich. Die Explosion der Mine hatte er überlebt – auf beiden Augen erblindet, das Gesicht entstellt, die rechte Hand amputiert und beide Knie durch Schrapnell derart zerstört, daß er seitdem nicht mehr gehen kann“ (2)
Schmetterlingsmine

Ein Problem der Minen ist ihr Aussehen. Für Kinder wirken sie erstmal wie Spielzeug: klein, interessant und bunt, in einer verwirrenden Vielfalt an Farben und Formen, u.a. Jo-Jos oder einer Ananas ähnlich. „Gerade in den Ländern, die gerade einen Krieg hinter sich haben, sind viele Kinder auch nicht zur Schule gegangen. Daher wissen sie nichts von der Gefahr, die auf sie im Boden lauert. Auf die Suche nach Feuerholz, beim Wasser holen oder Vieh hüten geraten sie leicht in vermintes Gelände.“ (3)

Kinder als Soldaten
Weltweit werden etwa 250.000 bis 300.000 Kinder als Soldaten eingesetzt. Aufgrund mangelnder Perspektiven oder durch Zwang werden sie in verschiedenen Ländern zum Kämpfen missbraucht. Historisch betrachtet wurden Kinder bereits im Dreißigjährigen Krieg, in den napoleonischen Kriegen, im amerikanischen Sezessionskrieg, sowie im zweiten Weltkrieg als Luftwaffenhelfer, bei der Wafffen-SS und im Volkssturm eingesetzt. Heutzutage sind Kindersoldaten u.a. in Ländern wie Kolumbien, Burma, Angola, Indien, Afghanistan und Indonesien zu finden (4). Dabei geht es nicht um Belange von Kindern und deren Interessen und Bedürfnissen, anstelle dessen werden die geschlagen, misshandelt und müssen beispielsweise ihre Freunde und andere Kinder töten mit dem Ziel der „Einschüchterung, Erzwingung absoluten Gehorsams und Abstumpfung gegen Grausamkeit.“ (ebd.)
Kindersoldat(5)

Natürlich kann argumentiert werden, dass Kinder nun mal gerne mit Waffen spielen und diese eine gewisse Attraktivität ausüben. Trotzdem bleibt zu hinterfragen, ob dies unterstützt werden muss oder beispielsweise nicht vielmehr Mitbestimmungsfähigkeit und demokratische Teilhabe im Fokus stehen sollten.
Vor diesem Hintergrund kann das Spiel von Kindern mit echten Waffen und das spielerische Suchen von Minen in der brannenburger Kaserne weder als gelungene Unterhaltung der Anwesenden betrachtet werden, noch zeigt sich ein reflektierter Umgang des Militärs mit dessen Materialien, Alltag und ureigenstem Milieu: dem Krieg und damit dem gezielten Töten und Verletzen von Menschen.

Fußnoten:
(1) www.tdh.de/content/themen/weitere/landminen/daten_fakten.htm
(2) www.uni-muenster.de/PeaCon/wuf/wf-98/9820206m.htm
(3) www.helles-koepfchen.de/artikel/749.html
(4) vgl. www.tdh.de/content/themen/weitere/kindersoldaten/daten_und_fakten.htm
(5) images.zeit.de/bilder/2007/45/international/kindersoldat/kindersoldat-artikel.jpg





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